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Der Osterhase und das verlorene Ei

Der Osterhase und das verlorene Ei
Bild: Pixabay

Es war einmal auf einer Waldlichtung nahe der Stadt Glauchau. Da wohnte unter einer mächtigen Buche gemeinsam mit Frau und drei Kindern ein Hase namens Hoppel.

Hoppel war ein recht stämmiger, aber kleiner Bursche mit weißem, flauschigen Fell, einem kleinen, leicht zerzausten Bommelschwanz und dieser einmalig niedlichen Stupsnase, die seiner Frau so sehr gefiel. Doch Hoppel war nicht nur irgendein Hase, nein, er war der eine, den die Kinder auf der ganzen Welt ungeduldig herbeisehnten. Ja, er war der Osterhase, der jedes Jahr auf's Neue die Ostereier, welche seine Frau und seine Sprösslinge liebevoll lustig bunt bemalten, für die Kinder dieser Erde versteckte.

Und so machte er sich auch dieses Mal wieder auf den langen Weg. Er hoppelte fröhlich von einer Familie zur nächsten und genoss dabei die wärmenden Sonnenstrahlen und die herrliche Frühjahrsluft. Hier und da zwitscherte ein Vögelchen und die Frühlingsidylle schien perfekt zu sein. Doch mit einem Mal traf Hoppel auf einen Fuchs, der ihm so gar nicht wohlgesonnen war. Nein, dieser Fuchs hätte ihn viel lieber zum Mittag verspeist. Also rannte Hoppel so schnell ihn seine kleinen, aber recht langen Hasenbeine tragen konnten vor dem gefräßigen Feind davon. Als er schon beinahe am Ende seiner Kräfte zu sein schien, stellte er nach einem kurzen Blick über seine Schulter fest, dass er seinen Verfolger scheinbar abgehängt hatte. Schnell und schwer atmend ließ er sich im Schutze einer alten, haushohen Birke nieder und stellte den Korb mit den Eiern, den er die ganze Zeit über auf seinem Rücken getragen hatte, neben sich ab.

>>Puh,<< dachte er >>das war knapp.<<

Nachdem er sich wieder beruhigt hatte, wollte er auf Nummer sicher gehen und nachzählen, ob auch noch alle Ostereier da waren. Doch mit Erschrecken stellte er fest, dass eines fehlte.

>>Was soll ich jetzt nur tun?<< überlegte Hoppel >>Wenn ich zurück gehe, lauert vielleicht der hungrige Fuchs im Gebüsch. Wenn ich es aber nicht tue, dann ist ein Kind dieses Jahr ganz traurig, weil es kein Osterei im Garten findet. Und, noch viel schlimmer, es verliert vielleicht seinen Glauben an mich!<<

Doch Hoppel musste nicht lange überlegen. Er war von Natur aus ein echter Kämpfer und man konnte sich stets auf ihn verlassen, weshalb er auch vor vielen, vielen Jahren zum Osterhasen ernannt wurde.
Und so schulterte er den großen, schweren Korb, stellte sich auf seine vier Pfoten und lief achtsam den Weg zurück in der Hoffnung, das verlorengegangene Ei wieder zu finden. Auf den gefräßigen Fuchs traf er zum Glück nicht nochmal, allerdings sah er in der Ferne ein paar Eichhörnchen, die aufgeregt mit etwas zu spielen schienen. Als Hoppel näher kam sah er, dass es das fehlende Osterei war, welches nun durch die Luft gewirbelt wurde, als wäre es ein Ball.

"He!" rief er den spielenden Eichhörnchenkindern zu.

Er hatte Angst, dass es auf den Boden fallen und kaputt gehen könnte.

"Hört sofort auf damit! Das ist kein Spielzeug." fuhr er fort.

Doch die Eichhörnchenkinder lachten ihn aus und warfen das Ei nun doppelt so hoch, um ihn zu ärgern. Hoppel versuchte verzweifelt das Ei zu erwischen, doch es wollte ihm einfach nicht gelingen. Als er es schon fast aufgeben wollte, kam zum Glück der Vater dieser aufmüpfigen Rasselbande hinzu.

"Ihr wisst wohl nicht, wen ihr da vor euch habt?" schimpfte er und alle schüttelten verlegen ihren Kopf.

"Das ist der Osterhase, der den Kindern jedes Jahr die Ostereier bringt." fuhr er fort.

Alle erstarrten und wurden rot wie Tomaten.

"Das, womit ihr da spielt, ist so ein Ei. Und wenn ihr es kaputt macht, wird eines dieser Kinder ganz traurig sein."

Die Eichhörnchenkinder schienen endlich zu verstehen und gaben Hoppel das Ei zurück. Er bedankte sich und machte sich schnurstracks wieder auf den Weg.

>>Ein Glück, dass das verlorengegangene Osterei wieder da ist.<< dachte er bei sich und führte seine Route fort.

Nachdem er alle Ostereier erfolgreich versteckt hatte, hoppelte er voller Vorfreude wieder zurück zu seiner Hasenfamilie, die ihn bereits sehnsüchtig erwartete.

Geschrieben von: Chris Alexander Famulla